Deutsch

Jazzclub UNTERFAHRT
Einsteinstraße 42
81675 München
Club: +49 (0)89 448 27 94

Öffnungszeiten Mo. bis So.: 19.30 bis 1.00 Uhr
Konzertbeginn: 21.00 Uhr
U-Bahn Max-Weber-Platz (U4/U5)

April 2019

Programm Mai 2019

02 | 04 | 05 | 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 16 | 17 | 19 | 20 | 21 | 26 | 27 | 28 | 31 |
Monatsprogramm | Heutiges Konzert

Do. 02.05. 21 Uhr

Grégory Privat Trio

Grégory Privat (p), Chris Jennings (b), Tilo Bertholo (dr)

Eine der vielen Wurzeln des mächtigen JazzStammbaums führt in die Karibik, genauer in die französischen Übersee-Departements Martinique und Guadeloupe. In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entstand dort der Beguine, ein üblicherweise langsamer Swingtanz, der sich aus der afrokaribischen Rhythmik des Gwoka und Bèlè sowie aus der französischen Musette und Elementen des ja ebenfalls kreolischen amerikanischen Jazz speiste. Im Paris der „Négritude“ trat der Stil einen Siegeszug an, der bis heute Spuren in der französischen Jazzlandschaft wie im Zouk, der dominierenden Popmusik der Übersee-Departements, hinterlassen hat. Da ist es kein Wunder, dass diese musikalische Tradition seiner Heimat auch im musikalischen Stammbaum des aus Martinique stammenden, 1984 geborenen Pianisten Grégory Privat große Äste nährt. Er ist der jüngste Neuzugang zu den außergewöhnlichen Pianisten, die sich in der ACT-Künstlerfamilie versammelt haben. Und er zeigt auf seinem ACT-Debütalbum „Family Tree“, dass er dort bestens hineinpasst. Der früheste musikalische Einfluss auf Grégory Privat war sein Vater, ein Pianist, der in einer der berühmtesten Bands aus Martinique namens „Malavoi“ spielte. Er ermutigte ihn schon mit sechs Jahren zum Klavierunterricht. Nach zehn Jahren klassischer Ausbildung begann er zu komponieren und zu improvisieren: der Jazz wurde nun seine musikalische Heimat. Die nächste Station war die harte Schule der Sessions und Gigs in den Jazzclubs von Toulouse, wohin Privat eigentlich wegen eines Ingenieursstudiums übersiedelt war. Derart gerüstet ging er nach Paris, um sich in der vitalen, stiloffenen Jazzszene der Stadt einen Namen zu machen. Mit 27 gab er seinen gut bezahlten Zweitjob im Büro endgültig auf, um sich ganz auf seine Musik zu konzentrieren. Bald spielte er mit den namhaftesten aus Guadeloupe stammenden Kollegen wie Saxofonist Jacques Schwarz-Bart, dem Trompeter und Miles-Davis-Schüler Franck Nicolas und dem Gwoka-Master, Perkussionisten und Schlagzeuger Sonny Troupé, der zum Weggefährten und Freund werden sollte. Privat arbeitete aber auch mit Größen der europäischen Szene wie Stéphane Belmondo, Remi Vignolo oder dem aktuell mit seinem eigenwilligen Jazzrock durchstartenden Guillaume Perret. Seit kurzem ist Privat auch Mitglied im LiberettoEnsemble seines schwedischen ACT-Kollegen, des Weltklassebassisten Lars Danielsson. Über Frankreich hinaus hat Privat vor allem mit seinem Projekt „Tales of Cypris“ 2013 Aufmerksamkeit erregt. Seine Vertonung der Geschichte des einzigen Überlebenden des Vulkanausbruchs auf Martinique 1902, bei dem der Mont Pelée die Stadt SaintPierre in Schutt und Asche legte, war die Blaupause für „Family Tree“, wo er nun all seine Qualitäten vollends ausspielt: Privat ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der die Tradition des „cric crac“, des fast rituellen Storytelling im Kreis der in der case créole versammelten Familie musikalisch fortsetzt. Schon im Titelstück demonstriert er seine Meisterschaft, elegische Melodien zu finden und sie mit Klangfarben und Stimmungen aufzuladen, die unzweifelhaft seine karibische Herkunft verraten. Dazu kommt der bezwingende, fast intuitive Umgang mit Rhythmik, nicht nur im programmatischen Stück „Riddim“, wenn das Grundthema virtuos durch verwegene Tempowechsel dramatisch aufgeladen wird, ohne je aus der Time zu geraten. „Ladja“ ist inspiriert von der gleichnamigen traditionellen Martial Art Form Martiniques und basiert auf Bélé-Musik. „Happy Invasion“ wiederum ist der Dialog stark rhythmisierter Akkordcluster mit fein fließenden Single-Note-Linien. „Alle Elemente der karibischen Musik stecken in mir, sie übertragen sich intuitiv und natürlich in meine Musik. Aber ich versuche immer, auch anderswohin zu gehen, jeden Tag verschiedene Stile zu entdecken. Andere Musiker aus anderen Kulturen zu treffen ist ein großes Privileg. Ich bin sehr dankbar, dass es mir möglich ist, solche wunderbaren Erfahrungen zu sammeln“, sagt Privat. So tritt mit Grégory Privat wieder eine starke Persönlichkeit ins Rampenlicht der internationalen Jazzszene. Mit „Family Tree“ reiht er sich ein in die vorderste Reihe der kreativen Melodiker, die alle Mittel der musikalischen Gestaltung für einen modernen, universalen Jazz nutzen, der umso stärker ihre Herkunft und ihren eigenen Ausdruck betont. „Mein Ziel ist es, meine eigene Stimme zu finden, die etwas Neues in die Musik bringt und mich selbst überrascht. Eine Musik zu erschaffen, die beiträgt, die Welt zu verzaubern.“ Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass ihm dies mit „Family Tree“ bereits gelungen ist: Die Weltsprache Musik erzählt hier neue bezaubernde Geschichten, mit karibischem Akzent.

Eintritt € 24,- / Mitglieder € 12,- / Studenten € 19,-
Do. 02.05.: Tickets im VVK bestellen

 

Seitenanfang